Diebstahl

Ich schreibe diesen Beitrag, um das Vorgehen im Falle eines Diebstahls zu erläutern und auf Dinge hinzuweisen, die im weiteren Verlauf der Bearbeitung dann von Interesse sein könnten. Ich berichte aus eigener Erfahrung. Im Einzelfall können die Vorgänge von meinen Erfahrungen abweichen.

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Im Ausland wird geklaut, aber doch nicht bei uns… von wegen.

Mein Motorrad wurde in Deutschland entwendet. Am hellichten Tag, unmittelbar vor meinem Bürofenster. Ein sehr belebter Fussgängerbereich, für Fahrzeuge durch Poller verschlossen. Würde ich im Stehen arbeiten, hätte ich den Vorgang vermutlich gesehen! Gesichert mit Lenkradschloss und elektronischer Wegfahrsperre. Weg und nichts gemerkt.

Ich mache mir da nichts vor: Ich habe das Thema Diebstahl (zumindest in meinem Aktionsradius) einfach unterschätzt. Die Großstädte in GB sind für Diebstähle bekannt. Aber hier? Den folgenden Link habe ich im Nachgang gefunden. Ist aus dem Jahr 2023, aber dann bekommt man ein Gefühl für das Thema: www.fairsicher.de Kurzes Fazit: Es wird gestohlen. Auch in Deutschland.

Aus Erzählungen und youtube weiß ich inzwischen, dass der Diebstahl eines Motorrades meist in wenigen Sekunden erledigt ist. Knacken, wegtragen, wegrollen, wegfahren, Einladen in Transporter. Das sind Profis. Und die sind schnell. Das Einzige, was man tun kann, ist den Diebstahl zu verzögern / unattraktiv zu gestalten.

Der Reihe nach. Was, wann?

1. Ich erkenne, dass mein Motorrad entwendet wurde.

Motorrad weg. Sofort Telefon: 110.
110 ist die Notfallnummer. Die sofortige Diebstahlmeldung über den Notruf ist wichtig, da das Motorrad schließlich noch herumfahren könnte und damit auch Schaden angerichtet werden könnte. Ist die Tat erst vor kurzem passiert und vielleicht auch ein Tracker montiert, wird u.U. sogar eine Fahndung eingeleitet.

Folgende Fragen sind am Telefon zu klären:
Wann habe ich das Motorrad zuletzt gesehen? Vor kurzem, schon länger her? (Thema Fahndung)
Liegt ein zusätzliches Schloss noch am Tatort? Gepäckreste, Werkzeug? Wurde eine Tür aufgebrochen? (Thema Spurensicherung vor Ort). Die Leute am Telefon sind geschult. In meinem Fall war die Person sogar nett.

Mein Motorrad wurde entwendet und es wurden keine Spuren hinterlassen. Einen Tracker hatte ich nicht verbaut. Es war ein Zeitraum von 2 Stunden seit der letzten Sichtung vergangen. Es kommt dann kein Polizist rausgefahren. Es wird auch keine Großfahndung ausgerufen. Egal wie verärgert man ist – es bringt einfach nichts.

2. Zur Wache – Anzeige erstatten

Mit dem Absetzen des Notrufs ist es nicht getan. Wir benötigen von der Polizei den schriftlichen Nachweis („Bescheinigung über die Erstattung einer Anzeige“), dass wir den Diebstahl angezeigt haben. Den Zettel möchte man schnell haben. Das ist für die Versicherung relevant. Also für uns wichtig.
Eine Anzeige kann man heutzutage auch online über die Internetwache regeln. Mir wurde telefonisch zum Besuch der Wache geraten.

Vorteil Internetwache: Räumlich unabhängig. Ich muss nicht zur Wache fahren (die auch geöffnet sein muss – also unbedingt erst im Netz die Öffnungszeiten klären!) und muss auch nicht auf irgendeiner Wache warten, bis jemand Zeit für mich hat (seien wir ehrlich: Die Polizei hat eigentlich mehr zu tun, als Motorräder zu suchen!).

Nachteil Internetwache: Meine Anzeige wird dann trotzdem im Nachgang von einem Menschen bearbeitet. Vielleicht hat dieser Mensch dann noch eine Rückfrage. Vielleicht hat man sich unklar ausgedrückt. Oder verworrene Angaben gemacht oder irgendwas vergessen. Bis man dann die Bescheinigung über die Anzeige in den Händen hält, kann es also etwas dauern. Macht man das persönlich auf der Wache, hält man im Anschluss den Zettel in der Hand (Vorteil!).

3. Formalia

Polizeiliches ist geregelt, dann geht jetzt die Bürokratie los:

Abmelden – Das Motorrad sollte auf Grund des Diebstahls abgemeldet werden. Das Motorrad ist auch noch auf euren Namen versichert. Jeder Motorradfahrer denkt mit Freude an das örtliche Straßenverkehrsamt… *seufz*
Wenn der Dieb so nett war und das Nummernschild hinterlassen hat, dann kann man die Abmeldung innerhalb weniger Minuten online regeln. Dafür muss man auch nicht E-Ausweis-Inhaber sein. Man benötigt nur sämtliche Papiere und das Nummernschild, denn darauf sind inzwischen Sicherheitscodes, die diesen Vorgang einfach abbilden können. Ziemlich praktisch, wie ich bei einem Verkauf schonmal erfahren konnte.
Ohne Nummernschild bleibt Euch nur der Gang zum Amt.

Dazu ein kleiner Hinweis: In AC ist die Terminfindung langwierig. Kein Drama, aber nervig. Vor Ort sagte mir dann eine Mitarbeiterin, dass man bei Diebstahl ruhig direkt vorbeikommen könnte. So ein Vorgang würde dann „dazwischen geschoben“. Nachfragen könnte also helfen.

Versicherung Diebstahl melden – Ziel: Versicherung nicht zu lange bezahlen. Gibt’s nicht viel zu erklären. Schaut, was eure Versicherung an Unterlagen benötigt, einreichen und fertig.

Versicherung Teilkasko – Mit der Teilkaskoversicherung ist in der Regel ein Diebstahl abgesichert. Bei meiner Versicherung gibt es eine 4-wöchige Wartezeit bis der Schaden reguliert wird. Das Motorrad könnte ja zwischenzeitlich wieder auftauchen.
Wieviel Geld bekomme ich denn dann? Hängt scheinbar ein wenig vom Versicherer ab. Niedriger Ansatz ist der Zeitwert z.B. nach Schwacke-Liste. Besser ist ein ermittelter Wiederbeschaffungswert. Diese Werte werden von den Versicherungen ermittelt. In meinem Fall hat der Versicherer die Ermittlung des Wiederbeschaffungswerts an die DEKRA ausgelagert.

Damit der Wert ermittelt und reguliert werden kann, benötigen die Versicherungen aber auch ein paar Angaben vom Halter. Der Umfang der zu erbringenden Unterlagen und der Umfang der Regulierung hängt bestimmt von der jeweiligen Versicherung und dem zugehörigen Serviceumfang ab.

Für uns, die Versicherungsnehmer, ist natürlich der zu erwartende Wiederbeschaffungswert interessant. Man möchte ja gerne soviel Geld erhalten, dass man sich angemessenen Ersatz beschaffen kann. Da kann man sich vortrefflich streiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass besonders günstige Versicherer an dieser Stelle etwas härter verhandeln als andere.

Damit die Verhandlungen zu unserem Vorteil zu führen oder vielleicht gar nicht herumdiskutiert werden muss, sollten wir ein paar Dinge im Vorfeld (!!!) geklärt und dokumentiert haben:

Kaufvertrag – Die Versicherung möchte wissen, wieviel wir für das Gefährt ausgegeben haben. Das ist Bestandteil der Wertermittlung. „Gekauft für Betrag X per Handschlag in Bar“ kann bestimmt für Diskussionen sorgen. Ein Vertrag hilft, hier für Klarheit zu sorgen.

Wert des verbauten Zubehörs – Hier liegt das eigentliche Konfliktpotential. Motorräder leben vom Zubehör und sind sehr oft liebevoll zusammengestellte Liebhaberstücke. Vieles wird selbst gemacht.
Für einen Versicherer ist dein Traumbike aber einfach nur ein motorisiertes Zweirad eines bestimmten Typs, Alters und Zustands. Bei meiner Africa Twin sorgten schon Sturzbügel, Kofferträger und fest montiertes AndroidAuto-Display sowie sonstiges Zubehör für einen zusätzlichen 4-stelligen Betrag.
Das muss man natürlich nicht nur benennen, sondern muss es auch nachweisen können. Fotos des Motorrades sind dabei sehr hilfreich (wird auch angefordert). Natürlich auch Rechnungen. Wer gewissenhaft und gut dokumentiert, ist hier klar im Vorteil.
Für die Teilkasko ist dabei der Begriff „Fest verbaut“ wichtig. Der Goldbarren, den ich für alle Fälle unter dem Sattel habe, zählt i.d.R. natürlich nicht zum Versicherungsumfang. Auch das evtl. hinten drauf klemmende teure Gepäckstück (Tasche mit Fotoausrüstung, teure Camping-Ausrüstung, Drohne) ist nicht zwingend eingeschlossen (es gibt aber meist eine Abhängig vom Diebstahlort, wo das Motorrad entwendet wurde. Aus der verschlossenen Garage gestohlen ist eine andere Kategorie, als öffentlicher Raum). Klärt das im Zweifel im Vorfeld mit eurer Versicherung.

In meinem Fall

Positives vorab:

  • Der entstandene Schaden wurde von der Versicherung vollumfänglich ausgeglichen (Wiederbeschaffungswert). Ich konnte mir zu marktüblichen Preisen einen adäquaten (gebrauchten) Ersatz beschaffen und für das Zubehör hat das Geld auch gereicht.
  • Ich konnte mit meiner Versicherung bei Rückfragen telefonieren, also reden. Das funktioniert bei reinen online-Versicherungen nicht. In meinem Fall war das hilfreich, sonst hätten ein paar Dokumente die Versicherung nicht erreicht (technisches Problem).

Die Nachteile:

  • Vom Zeitpunkt des Diebstahls bis zur Bezahlung des Schadens vergingen bei mir 8 Wochen.
    Im Netz geht man von ca. 6 Wochen Bearbeitungszeit durch die Versicherer aus.
    Wenn gerade die Motorrad-Saison läuft ist das eine lange Zeit. Es fühlt sich noch länger an, wenn man auf das Geld der Versicherung für einen Ersatzkauf angewiesen ist. Evtl. ist dann die Saison schon wieder vorbei.

Fazit

Ein Diebstahl ist ärgerlich. Es wäre schön, wenn man dann wenigstens ohne große Hindernisse an ein neues Motorrad kommen könnte und finanziell nicht völlig ruiniert ist. Darum den Fall der Fälle unbedingt mit der Versicherung klären. Vielleicht relativieren sich dann auch besonders günstige Versicherungstarife.

Gestohlen wird i.d.R. während der laufenden Fahrtsaison. Das ist nervig. Ich hätte das Motorrad ja gar nicht abgeben wollen und jetzt muss ich mir auch noch im Sommer ein Neues suchen? Und selbst mit ausreichendem Finanzpolster ist die Wiederbeschaffung inklusive Zubehör nervig und zeitintensiv.

Diebstähle kann man nicht verhindern – aber behindern. Motorrad schützen macht Sinn. Ich beschaffe also ein ordentliches zusätzliches Bremsscheibenschloss und habe bereits eine einfache Alarmanlage installiert (sowas kostet inzwischen nur noch kleines Geld). Auch eine ernsthafte Kette wird demnächst angeschafft. Kostet einiges – aber der Krampf bei der Diebstahlabwicklung hat mich eines Besseren belehrt! So ein Tracker ist spannend – ist aber auch nicht ganz billig. Die Diebe wissen natürlich inzwischen auch, dass es AirTags gibt und treffen entsprechende Vorkehrungen. Da bin ich noch unentschlossen – werde hier aber evtl. Updates posten.